Versagende Bremsen, brechende Räder, Unfälle mit Verletzten: Die Berliner S-Bahn ist marode, kaputtgespart für die Rendite des Mutterkonzerns Deutsche Bahn. Ein Lehrstück darüber, was passiert, wenn ein Verkehrsunternehmen für die Börse fit gemacht werden soll
Pendeln im ICE ist nur was für Hartgesottene - vor allem, seit die Bahn fast nur noch mit der Hälfte ihrer schnellen ICEs unterwegs ist. Platzreservierungen verkümmern dabei zur Nebensächlichkeit.
Die Geschichte der deutschen Bahn ist seit 1994, also mit der angeblichen Bahnreform ein Trauerspiel. Die Auswahl der Vorstandsvorsitzenden zeigt das gesamte Drama am einfachsten auf. Mit Heinz Dürr wählte man ausgerechnet den Typen, der sich schon bei der AEG als vollständig ungeeignet gezeigt hatte und letztlich für die Zerstörung der AEG verantwortlich ist und übertrug damit die notwendige Sanierung an einen offensichtlich absolut Unfähigen.
Es ist ja jetzt schon ein paar Tage länger Winter in Deutschland. Und man könnte meinen, dass sich alle darauf eingestellt haben. Nur die Bahn nicht, wie unsere Kolumnistin Ursula Ott mehrmals leidvoll erfahren musste.
Zurzeit häufen sich die Schwierigkeiten bei der Deutschen Bahn AG. Züge fallen aus oder fahren nur mit der Hälfte der Waggons, Güterwagen springen aus den Gleisen, die Schlangen in der Reisezentren sind unerträglich lang, die von der Bahn betriebene S-Bahn in Berlin funktioniert immer noch nicht. Die Berliner Verkehrssenatorin will das Monopol der Bahn brechen und erwägt, Strecken auch für private Anbieter ausschreiben. Das ist die von den privaten Anbietern gewünschte Antwort und keine Lösung des Problems.
“Die Berliner Verkehrssenatorin Ingeborg Junge-Reyer und ihr Dienstherr Klaus Wowereit (beide SPD) waschen ihre Hände in Unschuld und schieben den schwarzen Peter auf die Bahn AG ab. Doch wer hat 1994 die Bahnprivatisierung, für die eigens das Grundgesetz geändert wurde, gewollt: Eine große Koalition aus Union und SPD. So kurz ist mein Gedächtnis nun doch nicht. Den Kakao, durch den die Politik mich zieht, den muß ich nicht auch noch trinken.”
“Der Börsengang der Bahn gehört wie alle Privatisierungspläne von Bereichen der Daseinsvorsorge sofort gestoppt und ins Absurditätenkabinett des Casino-Kapitalismus gestellt. Wer es nicht einmal schafft, die Leute vor Ort zu versorgen, sollte besser aufhören, sich als Global Player im Verkehrsgeschäft aufzuspielen, sonst fährt der Zug noch vollends gegen die Wand”
Tjaahaa, so ist das halt, wenn man die Bahn privatisieren will. Denn wird gleich alles viel, viel besser!
Diesen neoliberalen Arschgesichtern kann man einfach nur noch in die Fresse schlagen… (Tschuldigung, spontane Gewaltphantasie ;-) )